Chronik des MVO zum Jahr 2000
 
 
 
 
 

Dirigenten bis ins Jahr 2000

von 1925 bis 1925
 Paul Lutz
 von 1925 bis 1929
 Herr Fischer jun.
 von 1929 bis 1937
 Herr Fischer sen.
 von 1937 bis 1939
Herr Hagenbruch
 von 1939 bis 1940
 Herr Wettemann
 von 1948 bis 1950
 Walter Graf
 von 1950 bis 1951
  Alfred Exner
 von 1951 bis 1973
 Hans Weyrauch
 von 1973 bis 1978
 Helmut Böcker
 von 1978 bis 1990
 Richard Merz
 seit 1990
 Markus Mauderer

 

Vorsitzende bis ins Jahr 2000

von 1925 bis 1930
Anton Groß
von 1930 bis 1939
Anton Götz
von 1939 bis 1940
Franz Ruf
von 1948 bis 1949
Anton Jung
von 1949 bis 1950
Franz Ruf
von 1950 bis 1957
Stefan Knebel
von 1957 bis 1961
Herrmann Waschewsky
von 1961 bis 1976
Martin Jung
von 1977 bis 1978
Wolfgang Kilian
von 1978 bis 1987
Adolf Becker
von 1987 bis 1995
Adolf Lott
seit 1995
Reinhold Philipp

 

Die Vorstandschaft im Jahr 2000

1. Vorsitzender
Reinhold Philipp
2. Vorsitzender 
Jochen Jung
Schriftführer
Wolfgang Kilian
Kassier
Volker Keding
Musikerobmann
Alwin Fütterer
Stellvertreter
Frank Groß
Jugendleiter
Rainer Ernst
 
Patrick Groß
Vizedirigenten
Rainer Ernst
 
Silke Groß
Notenwart
Achim Arnold
Beisitzer
Ulrike Bollian
 
Hildegard Frisch
 
Svenja Walter
 
Fritz Groß
 
Hubert Groß
 
Rainer Groß
 
Franz Peter

 

Die Goldenen 20iger Jahre
 

Ottersdorf ist gezeichnet vom 1. Weltkrieg. Der deutsche Kaiser hat abgedankt und aus dem Kaiserreich wird die Weimarer Republik. Das ganze Land leidet schwer unter den Folgen des verlorenen Krieges, Not und Elend bestimmen das Leben der Bevölkerung. Bis in die kleinsten Ortschaften sind Massenarbeitslosigkeit und deren Auswirkungen auf das Leben spürbar. Da bildet unsere Heimatgemeinde Ottersdorf keine Ausnahme.
Just zu dieser Zeit, als allerorts noch still um verlorene Ehemänner, Väter und Söhne getrauert wird, keimt in Ottersdorf die Idee, eine Musikkapelle zu gründen.

Denn Frohsinn, Lachen und Tanzen liegen ebenso in der Natur des Menschen, wie Trauer und Einsamkeit. Und wann vergisst ein Mensch am schnellsten die Trauer und seine Sorgen?
Natürlich beim Tanzen und Lachen, beim fröhlich vergnügten Treiben.
 
 

Gründertage
 

Am 05. Februar 1925 beschließen die beiden jungen Ottersdorfer Anton Groß und Anton Götz, eine Musikkapelle zu gründen.
Mit Paul Lutz aus Muggensturm, einem Arbeitskollegen von Anton Groß, ist der erste Schritt nach vorne getan. Lutz wird der erste Dirigent in Ottersdorf.
Dieser erklärt den beiden jungen Musikern, dass eine Musikkapelle erst mit sechs Mann spielfähig sei.
Also müssen noch vier Musikfreunde gesucht werden. Mit Franz Ruf, Otto Frisch, Anton Jung und Otto Schneider sind die vier Freunde gefunden.

Nun sind sie zwar zusammen, sechs junge Männer und ein Dirigent, doch vom Musizieren noch weit entfernt. Zuerst müssen Musikinstrumente beschafft werden. Auf eine Anfrage im Musikhaus Voigt in Rastatt erhalten die sechs Männer zur Antwort, dass solche Instrumente nicht vorrätig seien und eine Lieferung längere Zeit dauern würde. Paul Lutz verweist die jungen Ottersdorfer nach Karlsruhe ins Musikhaus Deimer. Dort kommen die sechs Freunde in die besten Hände. Durch die Vielzahl an vorrätigen Blechblasinstrumenten ist es nämlich möglich, den jungen Musikern direkt am Objekt zu zeigen, welche Unterschiede es bei den verschiedenen Instrumenten gibt. So wird aus dem erst zögerlich geführten Gespräch mit Herrn Deimer eine lange intensive Unterhaltung. Während des Gespräches erwächst eine Bestellliste auf Abruf. Der vom Musikhaus Deimer erstellte Kostenvoranschlag bringt die ernüchternde Summe von 900 Rentenmark an den Tag. Da keiner der sechs Musiker über eine solche Geldsumme verfügt, musst zunächst die Finanzierung geklärt werden.

Noch auf dem Nachhauseweg nach Ottersdorf ist Anton Groß, Anton Götz, Franz Ruf, Otto Frisch, Anton Jung und Otto Schneider klar, dass sie keinen Weg unversucht lassen würden, um an das Geld zu gelangen.
 

Einige Tage später werden sie beim Kreditverein von Ottersdorf vorstellig. Dort bringen sie ihr Anliegen vor, einen Kredit aufzunehmen in Höhe von 600 Rentenmark, zur Anschaffung von zwei Flügelhörnern, zwei Tenorhörnern und einem Es-Horn. Die noch offenen 300 Rentenmark benötigen sie erst später, da die bestellte Tuba noch in der Fertigung ist. Die Herren des Kreditvereins lehnen das Ansinnen der jungen Männer ab. Nach dem Gesetz darf keine Person einen Kredit nehmen, die nicht volljährig ist. Im Gegenzug machen die Herren vom Kreditverein den jungen Männern einen Vorschlag. Wenn sie für die gewünschte Summe einen oder mehrere Bürgen benennen könnten, stünde dem Darlehen nichts im Wege.

Wer sonst, als die eigenen Väter würden wohl so viel Vertrauen in ein so ungewisses Vorhaben setzen, welches die jungen Musiker da planten?
So übernehmen Anton Frisch, Franz Ruf, Stefan Groß und Egidius Götz die Bürgschaft von je 150 Rentenmark. Am 16. März 1925 kommt das Darlehen in Höhe von 600 Rentenmark bei einem Zinssatz von 18 % zur Auszahlung. Zwei Tage später, also am 18. März, werden die Musikinstrumente beim Musikhaus Deimer abgeholt.

In der Zwischenzeit hat man sich Gedanken darüber gemacht, wo die Proben stattfinden sollen. Die Vorstellungen von den Eigenschaften eines Proberaums sind klar gewesen. Der Raum sollte beheizbar sein, damit auch in der kalten Jahreszeit geprobt werden kann. Auch über eine gewisse Größe sollte der Raum verfügen, um gegebenenfalls noch weiteren Musikern Platz zu bieten. Die dritte Anforderung ist die schwierigste:  Der Raum soll mietfrei sei, denn die Geldmittel sind knapp. So kommt das Angebot der Familie Karl und Amalie Jung wie ein Geschenk des Himmels über die jungen Männer. Die Familie Jung ist zu dieser Zeit Besitzer und Betreiber des Gasthauses "Zur Linde". Die "Linde" hat hinter dem Schankraum einen beheizbaren Saal,den Karl und Amalie Jung den Musikern mietfrei überlassen. Fortan ist die "Linde" das Probelokal der Musikkapelle.

Diese Übereinkunft sollte fast 70 Jahre Bestand haben und das Bild des Musikvereins mitprägen.

Anton Groß trifft mit Herrn Paul Lutz die Vereinbarung, dass für jede stattgefundene Probe ein Entgelt von drei Rentenmark zu zahlen sei. Die
Kosten teilen die Männer zu gleichen Teilen unter sich auf. Somit kann Ende März das Proben beginnen.

Am Abend des 16. April 1925 treten die sechs Musiker im Gasthaus "Linde" zur ersten Musikerversammlung zusammen.
Es sollte ein 1. Vorsitzender gewählt werden.
Es ist nicht schwer den Mann aus der Runde herauszudeuten, der dieses ehrenvolle Amt erhalten sollte. Einhellig wird Anton Groß das Amt des 1. Vorsitzenden übertragen. Anton Götz wird der 1. Schriftführer, dem die Aufgabe zugeteilt wird, ein Protokollbuch anzulegen.

Diese Protokollbücher sind heute noch im Besitz des Musikvereins.
Ferner beschließt man, alle drei Monate eine Musikerversammlung abzuhalten.
 
 

Es geht bergauf
 

Durch die einfühlsame Art von Herrn Lutz werden die jungen Musiker langsam, aber zielstrebig an die Blasmusik herangeführt. Nachdem die anfänglichen Schwierigkeiten überwunden sind, was nicht zuletzt dem Fleiß  jedes Einzelnen zu verdanken ist, gewinnt die Musikkapelle immer mehr an Harmonie.
Im Juli 1925, am Tag des Skapulierfestes, hat die junge Musikkapelle ihre Feuertaufe.
Von der Empore der Pfarrkirche St. Ägidius aus umrahmt die Musikkapelle das feierliche Hochamt. Freudig nimmt die Ottersdorfer Einwohnerschaft das Musizieren der Musikkapelle an. Wenngleich ein Erstaunen durch das Dorf geht, denn es sind erst vier Monate vergangen seit den ersten Proben. Erfreulich für die Musiker ist die erste Gage von 12 Rentenmark. Neben Lob  und Anerkennung beschert der erste Auftritt der Musikkapelle auch zwei neue Musiker.
Karl Seitz und Christian Uhrig treten Ende Juli der Musikkapelle bei.
Nachdem den beiden die Aufnahme in die Kapelle sicher ist, fahren sie ins Musikhaus Deimer, um sich ein Musikinstrument zu kaufen. Die zwei neuen Musiker fügen sich nahtlos in die Kapelle ein. Aber nicht nur in musikalischer Hinsicht geht es bergauf, auch finanziell wird es leichter, da nun das Dirigentengehalt durch acht geteilt wird.

Das Jahr 1925 neigt sich langsam dem Ende entgegen und die acht Musikfreunde können auf ein gelungenes und erfolgreiches Gründungsjahr zurückblicken.
Doch nicht immer endet alles so schön wie es begonnen hat!

Paul Lutz teilt Ende November den Musikern mit, dass er das Amt des Dirigenten niederlegen werde. Der Grund ist der weite Weg von Muggensturm nach Ottersdorf. Herr Lutz ist sich der Verantwortung bewusst, die er im März übernommen hat, und will deshalb die junge Musikkapelle nicht ohne Dirigenten zurücklassen. Noch bevor Paul Lutz seinen Rücktritt mitteilt, hat er Kontakt zu einem eventuellen Nachfolger aufgenommen. So wäre es möglich, übergangslos den Probebetrieb weiter laufen zu lassen, falls die Musiker mit dem neuen Dirigenten, Herrn Fischer aus Rastatt, einverstanden wären. Die Musiker sind zufrieden. Besser hätte man es nicht treffen können. Herr Fischer ist Berufsmusiker und spielt in Rastatt bei einer Militärkapelle Trompete. Zähneknirschend nehmen die Männer die Gehaltsforderung von sechs Rentenmark pro Probe an.
Somit wird Herr Fischer neuer Dirigent der Musikkapelle von Ottersdorf und nimmt im Dezember 1925 seine Arbeit auf.
 

Ein Brief aus Wösbach im Januar 1926 versetzt die Musiker in helle Aufregung. In dem Schreiben wird angefragt, ob eine Teilnahme am Wettspielen in Wösbach am 25. Mai möglich wäre. Es müssten bei einer Beteiligung zwei Rentenmark pro Musiker an die Kapelle Wösbach entrichtet werden, zur Deckung der Unkosten. Nach Absprache mit Herrn Fischer sagt man eine Beteiligung zu.

Der 25. Mai 1926 ist der bislang größte Tag der Musikkapelle Ottersdorf. Als jüngste und kleinste Kapelle des Wettbewerbs erhalten die Musiker einen 2A- Preis mit Diplom und einen Silberpokal. Die gesamte Einwohnerschaft von Ottersdorf freut sich mit den acht Musikern. Damit alle Ottersdorfer dieUrkunde und den Pokal sehen können, werden sie im Schaufenster des Lebensmittelladens von Karl Fritz (heutiges Anwesen Willi Hartmann) in der Rheinstraße ausgestellt.
 

Emil Stupfel, Melchior Frisch und Fritz Burster treten im Juni 1926 der Musikkapelle bei. Die Verstärkung tut der Kapelle gut, denn die Anforderungen wachsen.

Das erste Musikfest in Ottersdorf am 25. Juli 1926 wird im Lindengarten gefeiert.
Eingeladene Gastkapellen bringen ihr Können zum Besten und tragen mit zu einem guten Gelingen bei. Durch ein Eintrittsgeldes von 30 Pfennig pro Person und den Verkauf von Papilotten (Lose) wird der Festerfolg auch in der Kasse spürbar.

Zu erwähnen sei an dieser Stelle, dass nur Gastronome zu jener Zeit eine Schanklizenz erhielten.Der Gewinn aus dem Verkauf von Speisen und Getränken floss dem Gastwirt zu. Dem Veranstalter blieben nur die Einnahmen aus dem Eintritt und dem Losverkauf.

Nachdem Otto Schneider im November seinen Austritt aus der Musikkapelle erklärt, wird die große Trommel für 115 Rentenmark zurückgekauft. Diese sollte im Besitz der Kapelle bleiben, bis ein neuer Trommler gefunden wird.

Obwohl es ein Rückschlag ist mit Otto Schneider einen Mann der ersten Stunde zu verlieren, wird am 26. Dezember die erste Weihnachtsfeier im Gasthaus "Zur Linde" abgehalten. Die gesamte Einwohnerschaft von Ottersdorf ist eingeladen. Zur Unterhaltung an diesem Abend wird ein Theaterstück aufgeführt. Als Höhepunkt des Abends kommt ein Christbaum zur Verlosung im Wert von 25 Rentenmark.

Im Frühjahr 1927 findet die bis dahin verwaiste große Trommel in Karl Zeitvogel (Vater von Eugen Zeitvogel) einen neuen Besitzer. Karl Zeitvogel erwirbt die Trommel für 100 Rentenmark.

Auf Anregung von Bürgermeister Moritz Frisch werden die ersten Heimattage in Ottersdorf gefeiert. Bei diesem Fest soll die Musikkapelle mitwirken. Ebenso ist das Mitwirken der Musikkapelle beim Stiftungsfest der deutschen Turnerschaft im Mai 1927 erwünscht.
Die Aussicht auf zwei große Auftritte in Ottersdorf bringt die Musiker auf den Gedanken Uniformen anzuschaffen. In Anbetracht der angespannten Finanzlage ­ der Kredit vom März 1925 ist noch nicht ganz zurückgezahlt ­ wird von Uniformen abgesehen. Man einigt sich darauf, vorerst nur Mützen anzuschaffen. Bei der Firma Kulbe in Rastatt bestellt die Musikkapelle Ottersdorf für jeden Musiker eine dunkelblaue Schirmmütze zum Stückpreis von 4,90 Rentenmark.

Im Gasthaus "Zum Lamm" in Ottersdorf treffen sich die Musiker im Mai 1928 zu ihrer vierteljährlichen Versammlung. Im Verlauf der Sitzung wird sichtbar, dass die Disziplin bezüglich der Pünktlichkeit beim Probenbesuch sehr zu wünschen übrig lässt. Deswegen wird beschlossen, für Unpünktlichkeit Strafen einzuführen. Danach soll ein Musiker, der dreimal im Vierteljahr zu spät zur Probe kommt und keinen Grund für diese Verspätung hat, 50 Pfennig in die Musikerkasse zahlen. Diese Beschlüsse werden ins Protokollbuch aufgenommen und können heute noch dort nachgelesen werden.

Zur Anwendung kommen sie heute nicht mehr.

Auch Erfreuliches hat der 1. Vorsitzende Anton Groß zu berichten. Leo Jung ist in die Musikkapelle eingetreten und würde Tenorhorn spielen. Um die Kapelle klanglich zu verstärken, sollen ein F-Bass, ein Es-Horn, eine Klarinette und eine kleine Trommel angeschafft werden.
 

Im Sommer des gleichen Jahres können nochmals drei Musiker in die Kapelle aufgenommen werden: Egon Burster an der Tuba, Fritz Ruf an der Klarinette und Franz Stupfel mit dem Es-Horn. Somit hat sich die Zahl der Musiker im Laufe von drei Jahren mehr als verdoppelt. Es ist als Zeichen der guten Kameradschaft zu sehen, dass es nur zwei Austritte gibt: Otto Schneider und Melchior Fritz.

Doch schon im Herbst 1928 zeigen sich bei der Musikerversammlung dunkle Wolken am Musikerhimmel.
Misstöne über die Art der Führung des Dirigenten Herrn Fischer kommen zur Sprache.
Es zeichnet sich ab, dass die Tage des Dirigenten in Ottersdorf gezählt sind.

Die im März 1929 stattfindende Musikerversammlung bringt einige Veränderungen und man nimmt die Strukturen heutiger Vereine an.

Anton Götz, bisher Schriftführer und Kassierer, gibt bekannt, dass er die Kassenführung abgeben wolle. Otto Frisch, auch ein Mann der ersten Stunde, übernimmt den Posten des Kassierers. Die Vorstandschaft setzte sich nun aus Anton Groß (1. Vorsitzender), Anton Götz (Schriftführer) und Otto Frisch (Kassenwart) zusammen. Nach dieser erfreulichen Wendung in der Kapelle lenkt Anton Groß zu einem sehr unerfreulichen Thema über. Die Kritik an Herrn Fischer von Seiten der Musiker will nicht verstummen. Es wird beschlossen, den Vertrag mit dem Dirigenten zu lösen.
Doch was nun folgt, ist schon sehr verwunderlich. An Stelle von Herr Fischer tritt Herr Fischer. Der Vater übernimmt das Amt von seinem Sohn. Herr Fischer wohnt in Ottersdorf und nimmt am 1. Mai 1929 seine Arbeit auf. Im gleichen Monat absolviert der neue Dirigent, Herr Fischer sen., mit der Kapelle seinen ersten Auftritt beim Platzkonzert in Durmersheim.

Zum ersten Konzert lädt die Musikkapelle am 06. Oktober 1929 die Einwohnerschaft von Ottersdorf ins Gasthaus "Zur Linde". Eindrucksvoll stellen die Musiker, unter der Leitung von Herrn Fischer, ihr Können unter Beweis. Mit diesem Erfolg im Rücken geht das Jahr 1929 zu Ende.
 
 

Weit über die Dorfgrenzen hinaus wird das Können der Ottersdorfer Musikkapelle bekannt, was zur Folge hat, dass von überall her Einladungen eingehen. Eine solche Einladung führt die Musiker im Mai 1930 nach Ebersteinburg.

Durch Heirat verliert die Musikkapelle 1930 zwei tragende Säulen. Im August verlässt Karl Seitz, der langjährige Bassist, die Kapelle. Ebenso verlässt der 1. Vorsitzende Anton Groß im September Ottersdorf und damit die Musikkapelle.

Am 23. September treffen sich die Musiker zu einer außerordentlichen Generalversammlung bei der es zwei Tagesordnungspunkte gibt: Neuwahlen und die Neubesetzung der Bassistenstelle. Die Neuwahlen bringen folgendes Ergebnis:


1. Vorsitzender
Anton Götz
Schriftführer
Franz Ruf
Kassierer
Otto Frisch
Kassenrevisoren
Leo Jung
 
Emil Stupfel

 

Bei der Bassistenstelle ergibt sich auch eine Lösung. Wilhelm Jung übernimmt den B-Bass und Egidius Jung den F-Bass. Als Übergang, bis beide Neuen in der Kapelle  mitspielen können, kommt Franz Vorreiter aus Wintersdorf zur Aushilfe. Die Neubesetzung des B-Basses ist in zweierlei Hinsicht begrüßenswert:
Erstens wird ein frischer Musiker gewonnen, zweitens fließen 110 Rentenmark in die Kasse zurück. Zu diesem Preis ist im August das Instrument von Karl Seitz gekauft worden.
 
 

Schwere Zeiten
 

Spürbar liegen die dunklen Schatten der Weltwirtschaftskrise über Ottersdorf. Davon ist auch die Musikkapelle nicht verschont.
Anfang des  Jahres 1931 ist allen Musikern klar, dass die um sich greifende Geldnot so schnell nicht enden würde. Um die sowieso knappe Kasse zu schonen, werden die Musikproben reduziert: von vier im Monat auf zwei. Damit spart die Kapelle die Hälfte des Dirigentengehaltes. In den folgenden Jahren spitzt sich die finanzielle Lage der Musikkapelle immer mehr zu. Nur mäßig besuchte Sommerfeste haben zur Folge, dass auf die Weihnachtsfeier ganz verzichtet wird. Ebenfalls auf Besuche bei auswärtigen Kapellen, da die Musiker privat sparen müssen.

Nach nahezu fünf Jahren Dämmerzustand erwacht die Musikkapelle im Jahr 1935 wieder zu neuem Leben. Mit neuer Kraft und altem Glanz wird das 10jährige Stiftungsfest gefeiert. Um 6 Uhr in der Frühe des 23. Juli 1935 zieht die Musikkapelle mit klingendem Spiel durch die Straßen von Ottersdorf.
 
 
 

An den Ortseingängen aufgebaute Triumphbögen begrüßen die Gäste von außerhalb. Gegen 14 Uhr beginnt der Festzug durch die mit Fahnen geschmückten Straßen von Ottersdorf. Angeführt wird der bunte Zug von den Festreitern Josef Schuler, Anton Ruf und Valentin Stupfel. Ihnen folgen die örtlichen Vereine sowie die Gastkapellen. Am Lindengarten, wo auch die große Festbühne aufgebaut ist. endet der Festzug. Von dort aus verkünden die vier Festdamen Elisabeth Jung, Gertrud Lott, Hildegard Dürrmaier und Elsa Müller ihren Prolog. Nach der Festrede von Anton Götz geht es fröhlich und vergnügt bis in die späte Nacht weiter.

Mit Anton Lott, Leo Götz, Hermann Lott, Eugen Groß, Alfred Frisch und Emil Ruf bekommt die Musikkapelle im Frühjahr 1937 Verstärkung. Von diesen jungen Musikern leben heute noch Anton Lott und Emil Ruf in Ottersdorf. Aus Altersgründen legt Herr Fischer sen. nach acht Jahren im September 1937 seinen Taktstock nieder. Ihm folgt im November 1937 Herr Hagenbruch. Über Herrn Hagenbruch gibt es in den Niederschriften des Musikvereins keine weiteren Angaben.
 

Im darauffolgenden Sommer 1938 unternimmt die Musikkapelle Ihren ersten Ausflug mit dem Bus in den Schwarzwald.
 

Anton Götz teilt der Generalversammlung am 04. Februar 1939 mit, dass er das Amt des 1. Vorsitzenden aus beruflichen Gründen nicht mehr weiterführen könne.
Die darauf folgenden Neuwahlen bringen nachstehende Vorstandschaft:


1. Vorsitzender
Franz Ruf
Schriftführer
Anton Jung
Kassierer
Otto Frisch
Notenwart
Anton Lott

 

Im Juni des selben Jahres wird das Musikfest zum ersten Mal am Dreschmaschinenschuppen (Areal Otto Müller) abgehalten.
Nur wenige Wochen nach dem Fest verlässt Herr Hagenbruch die Musikkapelle und Herr Hauptlehrer Wettemann tritt im Juli 1939 die Stelle als Dirigent an.
Unter der Leitung von Herrn Wettemann gibt es nur einen öffentlichen Auftritt. Am 03. September 1939 spielt die Musikkapelle zum Kirchenpatrozinium das letzte Mal vor Kriegsende in der Öffentlichkeit.
Vier Wochen  nach Ausbruch des 2. Weltkriegs treffen sich die Musiker  zu einer außerordentlichen Sitzung im Gasthaus "Zur Linde". In deren Verlauf wird beschlossen, den Probebetrieb einzustellen, denn die meisten Musiker sind oder werden noch zum Militärdienst eingezogen. Weil niemand weiß wie alles endet, wird das vorhandene Geld aus der Musikerkasse zu gleichen Teilen an die anwesenden Musiker ausbezahlt.
Die Protokollbücher und Kassenbücher werden ins Bergungsgebiet nach Künzelsau gebracht.
 

Im Sommer 1947 wollen Anton Jung, Karl Zeitvogel, Hermann Lott, Leo Jung und Ludwig Groß die Musikkapelle wieder aufleben lassen.
Nur der Wille allein genügt nicht. Nach der Verordnung Nr. 22 vom 12.12.1945 der französischen Militärverwaltung, ist es nötig, einen schriftlichen Antrag zu stellen. In diesem Antrag muss der Sinn und Zweck des zu gründenden Vereines angegeben sein. Zusätzlich muss eine schriftlich abgefasste Satzung in vierfacher Ausführung ­ einmal in deutsch und dreimal in französischer Sprache ­ eingereicht werden. Außerdem muss jeder der fünf Unterzeichner ein politisches Unbedenklichkeitszeugnis vorlegen.
Am 03. Mai 1948 sind alle Unterlagen beisammen und können bei dem "Gouverment Militaire en Allemagne Zone France" abgegeben werden.
 

Im Gasthaus "Zum Grünen Baum" in Ottersdorf wird am 29.05.1948   die Gründungssitzung abgehalten. Die Wahlen der Vorstandschaft erbringen folgendes Ergebnis:


1. Vorsitzender
Anton Jung
2. Vorsitzender
Leo Jung
Schriftführer
Hermann Lott
Kassierer
Ludwig Groß
Beisitzer
Karl Zeitvogel

 

Es ist mitten im Sommer 1948, als ein Schreiben der französischen Militärverwaltung mit folgendem Inhalt auf dem Rathaus in Ottersdorf eingeht:

"Zufolge der Übersendung der Gründungsunterlagen des Musikvereines Ottersdorf genehmige ich letzteren seine endgültige Tätigkeit auszuüben."

Mit diesem Schreiben werden auch die Genehmigungsurkunde sowie die Satzung übersandt. Der Neuanfang ist geschafft.

Die erste Amtshandlung des neuen 1. Vorsitzenden ist es, die Versammlung zum Totengedenken zu ermahnen. Denn Anton Götz, Christian Uhrig, Adolf Stupfel und Emil Stupfel sind aus dem Krieg nicht heimgekehrt. Gleichfalls fehlen Franz Ruf und Emil Ruf in der Musikerrunde, denn sie befinden sich noch in russischer Gefangenschaft.
In Walter Graf, einem Berufsmusiker aus Rastatt, findet die Kapelle aus Ottersdorf ihren neuen Dirigenten. Dieser Mann übernimmt das Amt aus Liebe zur Blasmusik und Freude am Musizieren und führt die Kapelle unentgeltlich. Die Gemeinde stellt den Musikern ein Klassenzimmer zum Proben zur Verfügung.
 

Franz Ruf kehrt im Jahre 1949 aus russischer Gefangenschaft nach Ottersdorf zurück.
Im Oktober des selben Jahres übergibt Anton Jung das Amt des 1. Vorsitzenden an Franz Ruf. Mit Franz Ruf an der Spitze des jungen Musikvereines beginnen die Planungen zum 25jährigen Stiftungsfest. Genau zu diesem Zeitpunkt teilt Walter Graf mit, dass er aus beruflichen Gründen nicht länger Dirigent in Ottersdorf sein könne. Im April 1950 übernimmt Alfred Exner die Direktion. Nachdem ein neuer Dirigent seine Arbeit aufgenommen hat, tritt der Musikverein im  Juni 1950
dem Mittelbadischen Musikverband bei.

Mit dem 05., 06. und 07. August sind die Tage des 25jährigen Stiftungsfestes gekommen.
Das große Fest wird am Samstagabend mit einem Fackelzug durch Ottersdorf eröffnet. Dieser endet am Gasthaus "Zur Linde", wo im Saal das Festbankett stattfindet. Mit einem Festgottesdienst geht es am Sonntagmorgen weiter. Der am Nachmittag folgende Festumzug und das anschließende Freundschaftsspielen der umliegenden Musikvereine bleibt der Ottersdorfer Einwohnerschaft noch lange in guter Erinnerung. Fazit des Festes:  Es ist rundherum ein voller Erfolg.
 
 
 

Die  Durchführung des 25jährigen Stiftungsfestes hat gezeigt, dass es notwendig ist, die aktiven Musiker durch passive Mitglieder zu ergänzen.
Dieses Vorhaben wird in die Tat umgesetzt.
 

Am 05. November 1950 wird eine außerordentliche Generalversammlung im Gasthaus "Zur Linde" einberufen.
Den aktiven Musikern und den seit September eingetretenen passiven Mitglieder wird die neue Satzung verlesen.
Aus dieser geht hervor , dass es nun nicht mehr Musikkapelle Ottersdorf, sondern Musikverein Ottersdorf heißt.
Gleichzeitig wird Stefan Knebel als erstes passives Mitglied 1. Vorsitzender des Musikvereines Ottersdorf.
 
 

Aus den Kinderschuhen herausgewachsen
 

Schon während der Festtage im August sind die Musiker mit der Art von Herrn Exner nicht mehr einverstanden. Durch ein zufälliges Gespräch mit dem Dirigenten der Stadtkapelle Rastatt, Herrn Ellenbogen, erfährt die Vorstandschaft, dass dessen Schwiegersohn gerne bereit wäre, eine Blasmusikkapelle zu dirigieren.
Im Mai 1951 übernimmt der Schullehrer Hans Weyrauch  das Amt von Herrn Exner und wird Dirigent in Ottersdorf.
 

Mit dem in Baden-Oos lebenden Hans Weyrauch an der Spitze der Musikkapelle beginnt eine Ära in Ottersdorf.
Mit seiner ruhigen Art schafft er ein Klima in der Kapelle, bei dem musikalische Erfolge wachsen können.
Ein Jahr ist vergangen seit Dirigent Weyrauch in Ottersdorf die Musikkapelle leitet, als in Rastatt ein Verbandsmusikfest mit Wertungsspielen stattfindet. Auch die Ottersdorfer Musiker nehmen daran teil. Die Note "sehr gut" lässt das Jahr 1952 für den Musikverein zum erfolgreichsten Jahr seit der Neugründung werden.

Zur Finanzierung der anfallenden Ausgaben werden Sommerfeste sowie Tanzveranstaltungen oder Platzkonzerte durchgeführt. Um den Verein auch in finanziellen Dingen abzusichern, entschließt sich die Verwaltung um Stefan Knebel, den Eintrag ins Vereinsregister zu erwirken. Dieser Eintrag erfolgt am 25.03.1955.
Somit ist der Musikverein auch juristisch abgesichert und darf nun den Titel "e.V." tragen.
Betrachtet man die acht Jahre seit der Neugründung, kann man feststellen, dass der Musikverein in allen Bereichen zielstrebig nach vorne gegangen ist.

Deshalb soll auch hier erwähnt sein, dass in diesen 8 Jahren 13 neue und 2 gebrauchte Musikinstrumente angeschafft werden. Außerdem, um die Noten sauber und pfleglich aufzubewahren, ein neuer Notenschrank. Alles in allem sind es Ausgaben in Höhe von 2.812,40 DM.
Dass es mitunter schon außergewöhnliche Maßnahmen erforderte, um  solche Geldbeträge aufzubringen, können wir anhand des folgenden Beispieles nachlesen.
Zum Preis von 1.000,-- DM sollte ein neuer B-Bass angeschafft werden. In dieser Höhe sind jedoch keine Geldmittel vorhanden. So wird am 02.04.1956, ein Ostermontag, eine Straßensammlung durchgeführt. Die Musikkapelle zieht mit klingendem Spiel durch die Straßen von Ottersdorf, während di Vorstandschaft Geld an den Türen sammelt.
Das Ergebnis dieses Tages übertrifft alle Erwartungen. Es gehen 655,20 DM ein. Nun steht dem neuen B-Bass nichts mehr im Wege. All diese Anstrengungen werden auch wieder mit Erfolg belohnt. Im selben Jahr, im Sommer auf dem Verbandsmusikfest in Bietigheim, erzielt die Musikkapelle mit ihrem Dirigenten Hans Weyrauch beim Wertungsspielen die Note "Vorzüglich".
 

Am 03.02.1957 lädt der Musikverein zur Generalversammlung. Neuwahlen der Vorstandschaft stehen an.
Stefan Knebel übergibt sein Amt des 1. Vorsitzenden seinem Stellvertreter Hermann Waschewsky. Einer, der bis dahin noch nichts mit dem Musikverein zu tun hat, wird 2. Vorsitzender: Martin Jung. Neu hinzu kommt auch Otto Butz als Kassierer.
 
 

Die Musik soll uns verbinden
 

Die neu gewählte Vorstandschaft geht daran, das Erarbeitete zu festigen und zu erhalten. Ihr besonderes Augenmerk gilt den Finanzen. Deswegen werden die geselligen Veranstaltungen wie Maskenball, Konzert oder Sommerfest sehr sorgsam geplant und durchgeführt.
 

Ende der fünfziger Jahre begannen sich  die Musikkapellen  landauf  landab sich einheitlich zu kleiden.
Auch die Vorstandschaft um Herr Waschewsky denkt über die Anschaffung von Uniformen nach.
 Allerdings stößt dieses Vorhaben bei den aktiven Musikern auf breite Ablehnung. Das Thema Uniformen wird zum Reizthema denn noch immer verbinden die Männer das Wort Uniform mit Militär und Krieg, den alle hautnah miterlebt haben. Lange emotionsgeladene Diskussionen sind vonnöten, um die Zweifel zu zerstreuen. Zuletzt siegt die Einsicht, sich nicht gegen den Zeitgeist zu stellen.
Der Ottersdorfer Schneider Josef Müller, späterer Schwiegervater des 1. Vorsitzenden Reinhold Philipp , nimmt die  benötigten Maße im Gasthaus "Zur Linde" bei den Musikern ab. Angefertigt werden die Uniformen bei der Firma Hilbert in Rastatt.

Im Jahre 1960 zeigt sich  die Ottersdorfer Musikkapelle der Öffentlichkeit in ihren schmucken Uniformen. Das 1927 Angedachte wird nach 33 Jahren Wirklichkeit.
 
 
 

Hermann Waschewsky legt nach 4 Jahren das Amt des 1. Vorsitzenden in der Generalversammlung vom 04.03.1961 nieder.
Martin Jung wird sein Nachfolger. Als Stellvertreter benennt man Willi Bartel.

Ihre traditionelle Maitour führt die Musiker im Jahre 1962 über den Rhein ins benachbarte Elsaß. Als man dort in einem Wirtshausgarten in der Nähe von Selz bei fröhlichem Musizieren zusammensitzt, spricht ein Unbekannter die lustige Runde an. Aus dem Gespräch heraus erfahren die Männer, dass er der Dirigent der Kapelle Selz, Herr Spangenberger, ist. Letztendlich werden unsere Musiker zum Spielen auf das Sommerfest in Selz eingeladen. Damit wird der Grundstein einer jahrzentelangen Freundschaft gelegt.

Unter dem Motto "Ottersdorf singt und musiziert" veranstaltet der Musikverein zusammen mit dem Gesangverein unter Mitwirkung eines Kinderchores und den Frauenstimmen des Kirchenchores am 18.05.1962 in der
 

Unter dem Motto "Ottersdorf singt und musiziert" veranstaltet der Musikverein zusammen mit dem Gesangverein unter Mitwirkung eines Kinderchores und den Frauenstimmen des Kirchenchores am 18.05.1962 in der Festhalle einen Konzert- und Liederabend. Kapellmeister Hans Weyrauch und Chorleiter Wolfgang Mauderer ernten zusammen mit den aktiv Mitwirkenden reichen und verdienten Beifall.
 

Im Jahr 1965 feiert der Musikverein sein 40-jähriges Bestehen.
Vom 19. ­ 21. Juni werden die Feierlichkeiten unter großem Zuspruch der Ottersdorfer Bevölkerung abgehalten.
Ein Glanzlicht bei den Feierlichkeiten am Festgottesdienst in der Pfarrkirche ist die Aufführung der Deutschen Messe von Franz Schubert.

Mit 31 aktiven Musikern unter der Stabführung von Hans Weyrauch beteiligt sich der Musikverein am Verbandsmusikfest in Ottenau am 04. Juli 1965.
Beim Wertungsspielen und Wertungsmarschieren erhält der Musikverein gute bis sehr gute Kritiken.
Bei der Weihnachtsfeier im Dezember 1965 fasst der 1. Vorsitzende Martin Jung in seiner Ansprache das Jahr so zusammen: "Es war ein gutes und erfolgreiches Jahr und wir wollen so weiter machen."

Diese Worte muss sich Hans Weyrauch besonders eingeprägt haben. Mit nicht ermüdender Tatkraft führt er die Musikkapelle zu immer größeren musikalischen Leistungen. Das stellt Hans Weyrauch mit seinen Musikern auch bein Verbandsmusikfest am 06. ­ 08. Juni 1970 ganz deutlich heraus.
Bei dem Großkonzert im Schlosshof in Rastatt, wo 10 Kapellen zusammen spielten, ist auch der Ottersdorfer Musikverein dabei.

Mit Otto Wietfeld stößt ein Ausnahme-Musiker zu dem Musikverein Ottersdorf. Er wohnt zwar in Meckenbeuren am Bodensee, doch durch seine Heirat mit Ottersdorf verbunden, findet er immer wieder den Weg zur hiesigen Musik. Ein gemeinsames Konzert im Jahr 1972 mit der Stadtkapelle Rastatt, eröffnet die Möglichkeit, das Können von Otto Wietfeld der Allgemeinheit darzubringen.
Bei dem Musikstück "Zirkus Renz" spielt Otto Wietfeld die Solostimme am Xylophon. Der Applaus in der vollbesetzten Festhalle in Ottersdorf will nach diesem Höhepunkt fast kein Ende nehmen. Der gemeinsam von den Musikern der Stadtkapelle und derer aus Ottersdorf gespielte Marsch "Militär-Escort" beschließt das Konzert würdig.

Otto Wietfeld ist zu der Zeit Dirigent der Musikkapelle Ettenkirchen am Bodensee. Diese feiert 1973 ihr 90-jähriges Bestehen. Auf Anregung von Herrn Wietfeld wird die Musikkapelle Ottersdorf an den Bodensee eingeladen. Am 28. Juli kann Franz Aman, der 1. Vorsitzende von Ettenkirchen, 52 Ottersdorfer begrüssen.

Aus Altersgründen verlässt im Spätsommer 1973 nach 22 Jahren Hans Weyrauch, ein geschätzter und verdienter Dirigent, den Musikverein Ottersdorf.
Die Verwaltung um Martin Jung verpflichtet noch im Herbst 1973 als Nachfolger Helmut Böcker. Den Ausschlag zur Einstellung von Herrn Böcker gibt die Empfehlung von Herrn Ossikus, einem Bassistenausbilder, welcher zu dieser Zeit gerade in Ottersdorf tätig ist.
Auf die Initiative von Herrn Böcker erhält der MVO die Gelegenheit, am 23.06.1974 in Freiburg vor dem Münster ein Platzkonzert zu geben. Das Konzert dauert von 11.00 bis 13.00 Uhr. Am Nachmittag fährt der Bus die Musiker und alle Mitgereisten ins Glottertal.
Bei Glottertäler Wein und gutem Essen im Gasthaus zum schwarzen Adler wird die Musikerkameradschaft gepflegt.
 
 
 

Das Jahr 1975 steht ganz im Zeichen des 50 jährigen Bestehens des Musikvereines. Da auch der Gesangverein Ottersdorf im selben Jahr sein 75 jähriges Jubiläum feiert, wird von den beiden Vorstandschaften um Rudolf Dilger und Martin Jung beschlossen, dass es ein Doppeljubiläumsfest geben sollte.
Als Termin werden die Wochenenden vom 13. bis 23.Juni festgelegt. Zwölf Gastkapellen und 19 befreundete Gesangvereine nehmen an diesem Fest teil.
Beim Jubiläumskonzert des Musikvereines wird Otto Wietfeld aus Meckenbeuren zum Ehrendirigenten ernannt.

Nach 16 Jahren als 1. Vorsitzender des Musikvereines tritt Martin Jung auf der außerordentlichen  Generalversammlung am 29. August 1976 von seinem Amt zurück.
Adolf Becker führt kommissarisch die Amtsgeschäfte bis zur Jahreshauptversammlung am 15.01.1977 weiter.
Bei dieser Hauptversammlung wird Wolfgang Kilian zum neuen 1. Vorsitzenden gewählt. Adolf Becker bleibt Stellvertreter. Noch einen Wechsel gibt es in dieser Generalversammlung. Josef Stüber, seit 26 Jahren Schriftführer, stellt sich nicht mehr zur Wahl. Werner Herrmann übernimmt seinen Posten.

Mitte des Jahres 1977 klagen die Musiker bei der Vorstandschaft über mangelnde Disziplin bei den Proben und darüber, dass das musikalische Niveau immer weiter absinken würde. Aufgrund der Aussagen der Aktiven trennt sich der Musikverein von Helmut Böcker.
Auf Anraten von Christian Müller aus Plittersdorf, damaliger Bezirksvorsitzender des Musikbezirkes Hardt, wird Richard Merz aus Au am Rhein neuer Dirigent in Ottersdorf.
Richard Merz ist zu dieser Zeit Bezirksdirigent und kein Unbekannter im Bezirk.
Bereits nach kurzer Zeit als Dirigent in Ottersdorf regt Herr Merz die Vorstandschaft an, eine Jugendwerbung durchzuführen. Mit dieser Werbeaktion beginnt eine neue Zeit der Jugendausbildung und ­ förderung. Von nun an ist auch der Zugang für Mädchen in den Musikverein offen. Als nächstes wird die Art der Ausbildung geändert. Sind es bisher die aktiven Musiker des Vereines und der Dirigent, die die Zöglinge ausbilden, so werden nun geschulte Lehrer hinzugezogen. So z.B. Herr Prof. Rettig, der über 20 Jahre für die Klarinettenausbildung verantwortlich ist.
Doch trotz aller Erfolge der Musikkapelle legt Wolfgang Kilian in der Generalversammlung 1978 sein Amt nieder. Ihm folgt Adolf Becker als neuer 1. Vorsitzender, Heinz Mattes wird sein Stellvertreter. Da Adolf Becker als langjähriger 2. Vorsitzender mit der Führung des Musikvereines vertraut ist, gibt es auch nach dem Wechsel keinen Stillstand in der Verwaltung. Der gefasste Gedanke, für die über 25 Jahre alten Uniformen Ersatz anzuschaffen, wird im Jahre 1979 realisiert.

Im Kurhaus von Baden-Baden erntet der Musikverein im März 1980 die ersten Früchte seiner Jugendarbeit.
Alle 15 angemeldeten Zöglinge des Musikvereines bestehen die Prüfung für das Jungmusikerleistungsabzeichen. Das Leistungsabzeichen in Bronze wird bei einer Feierstunde im Kurhaus verliehen.
 

Damit sieht sich die Vorstandschaft von Adolf Becker bestätigt, den richtigen Weg der Jugendförderung eingeschlagen zu haben. Noch viele Male sollte bei einer solchen Feierstunde der Name des Musikvereins Ottersdorf in Verbindung mit einem zu ehrenden Jugendlichen erwähnt werden.
Aber nicht nur das Leistungsabzeichen in Bronze, auch in Silber und Gold werden im Laufe der Jahre an junge Musiker aus Ottersdorf verliehen. Alle diese jungen Menschen tragen dazu bei, dem Namen des Musikvereines Ottersdorf einen guten Klang zu geben.

Bei den Heimattagen 1982 ist es möglich zu zeigen, wie wirkungsvoll eine kluge Jugendarbeit ist. Eindrucksvoll marschiert die Musikkapelle am historischen Dorfumzug mit, 47 Musiker aller Altersschichten defilieren an den Zuschauern vorbei. An der Spitze Richard Merz, der geistige Vater des Ganzen.
 
 
 

Mit dem Stück vom " Guten Kameraden" geleitet die Musikkapelle im Jahre 1985 ihren ehemaligen 1. Vorsitzenden Hermann Waschewsky zur letzten Ruhe.

Nach neun Jahren als 1.Vorsitzender übergibt Adolf Becker im Jahr 1987 sein Amt an Adolf Lott. Dennoch bleibt Adolf Becker der Musik als Ehrenvorsitzender verbunden. Adolf Lott übernimmt als erster aktiver Musiker seit 1950 das Amt des 1. Vorsitzenden. Zum Stellvertreter wird Thomas Wendlin gewählt und Ulrich Mecking rückt auf den Posten des Kassierers. Unter der Vereinsleitung  von Adolf Lott werden zwei Schwerpunkte gesetzt: der weitere Ausbau der Jugendarbeit und die Stabilisierung der finanziellen Lage des Vereins.

In der Jahreshauptversammlung 1989 wird die Vorstandschaft von und um Adolf Lott neu zusammengestellt.
Mit dem Rücktritt von Thomas Wendlin als 2. Vorsitzender und Werner Herrmann vom Posten des Schriftführers müssen gleich zwei wichtige Stellen neu besetzt werden.

Die Neuwahlen ergeben:


neuer 2. Vorsitzender
Reinhold Philipp
neuer Schriftführer
Wolfgang Kilian
Vizedirigent
Markus Mauderer

 

Im Frühjahr des Jahres 1990 stirbt das Gründungsmitglied und ehemaliger 1. Vorsitzender sowie langjähriger Vizedirigent, Franz Ruf.

Mit einer der grössten Erfolge unter der Leitung von Richard Merz ist die Teilnahme am Wertungsspiel 1982 in Ötigheim.
Nach 12 Jahren erfolgreicher Dirigententätigkeit verlässt Richard Merz den Musikverein Ottersdorf.

Markus Mauderer tritt im Herbst 1990 seine Nachfolge an. Damit wird erstmalig in der Vereinsgeschichte ein Musiker aus den eigenen Reihen Dirigent. Markus Mauderer ist mit 21 Jahren der jüngste Dirigent im Blasmusikverband Mittelbaden.
 

Im Frühjahr 1991 erlebt die Musikkapelle unter der neuen Leitung  ihre Feuertaufe beim Frühlingskonzert in der Festhalle. Im Rahmen der Veranstaltung wird Ludwig Groß für  50 Jahre aktives Musizieren mit der goldenen Verbandsehrennadel ausgezeichnet. Es ist das erste Mal, dass eine solche Ehrung in Ottersdorf vorgenommen wird.

Im Sommer 1992 lädt der Musikverein zum ersten Heckenfest unter den Platanen - das erste Fest in Ottersdorf, das an einem Donnerstagabend unter freiem Himmel abgehalten wird. Trotz großer Skepsis wird das Fest ein großer Erfolg und erfreut sich heute noch großer Beliebtheit.

Rainer Ernst, der zweite Musiker aus Ottersdorf, der den Dirigentenlehrgang mit Erfolg absolviert, ruft unter Zustimmung der Vorstandschaft die erste Jugendkapelle von Ottersdorf ins Leben. Noch im selben Jahr 1994 hat die Jugendkapelle ihren ersten Auftritt bei der Jahresversammlung der Volksbank Rastatt in Ottersdorf.

Bei der 1000-Jahr-Feier von Ottersdorf 1994 ist nicht nur die Musikkapelle im Einsatz. Mitglieder der Vorstandschaft sind in verschiedenen Ausschüssen zur Vorbereitung der Feierlichkeiten engagiert. Mit einem Umzugswagen und der Gestaltung eines Programmpunktes am "Bunten Abend" beteiligt sich der Musikverein ebenfalls an den Feierlichkeiten. Nicht zu vergessen sind auch die Helfer hinter den Theken, die aus den Reihen des Musikvereines kommen.

Durch den Wechsel der Pächter im Gasthaus "Linde" und den vorgenommenen baulichen Veränderungen wird das Proben unmöglich. Damit geht im Jahr 1994 eine lange Tradition zu Ende. Zugleich steht der Musikverein vor der Frage, wie es nun weitergehen soll.
Weil man schon übergangsmäßig im katholischen Pfarrgemeindehaus geprobt hat, fragt die Vorstandschaft bei Herrn Pfarrer Storff an, ob aus der Übergangslösung nicht ein Dauerzustand werden könnte. So wird im Jahr 1995 das katholische Pfarrgemeindehaus das neue Probelokal des Musikvereines.

Die Jahreshauptversammlung 1995 ist die erste im neuen Probesaal und zugleich die letzte für Adolf Lott als 1. Vorsitzender. Er legt sein Amt nach 8 Jahren nieder. Zum neuen 1. Vorsitzenden wird Reinhold Philipp gewählt, zu seinem Stellvertreter Jochen Jung.

Im Jahre 1996 muss der Tod des ehemaligen 1. Vorsitzenden und Ehrenvorsitzenden Adolf Becker beklagt werden.

In der Zeit, seit Reinhold Philipp den Verein führt, wird eine Blockflötengruppe aufgebaut. Gleichfalls kann eine Zöglingskapelle im Musikverein integriert werden, die unter der Leitung von Rainer Ernst steht. Zum ersten Mal wird 1998 mit Silke Groß eine Frau Vizedirigentin in Ottersdorf. Silke Groß ist neben Markus Mauderer und Rainer Ernst die dritte Aktive aus den eigenen Reihen, welche die Dirigentenprüfung abgelegt hat.

Im Jahr 2000 besteht die Musikkapelle aus 37 aktiven Musikern, 42 Zöglinge befinden sich in Ausbildung.

Der Musikverein  hat im Jubeljahr 2000 insgesamt über 300 Mitglieder.

Mit Anton Lott und Emil Ruf leben heute noch zwei Musiker, die in den 30er Jahren zur Musik gekommen sind.