Dirigenten bis ins Jahr 2000
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Vorsitzende bis ins Jahr 2000
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Die Vorstandschaft im Jahr 2000
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Die
Goldenen 20iger Jahre
Ottersdorf ist gezeichnet
vom 1. Weltkrieg. Der deutsche Kaiser hat abgedankt und aus dem Kaiserreich
wird die Weimarer Republik. Das ganze Land leidet schwer unter den Folgen
des verlorenen Krieges, Not und Elend bestimmen das Leben der Bevölkerung.
Bis in die kleinsten Ortschaften sind Massenarbeitslosigkeit und deren
Auswirkungen auf das Leben spürbar. Da bildet unsere Heimatgemeinde
Ottersdorf keine Ausnahme.
Just zu dieser Zeit,
als allerorts noch still um verlorene Ehemänner, Väter und Söhne
getrauert wird, keimt in Ottersdorf die Idee, eine Musikkapelle zu gründen.
Denn Frohsinn, Lachen
und Tanzen liegen ebenso in der Natur des Menschen, wie Trauer und Einsamkeit.
Und wann vergisst ein Mensch am schnellsten die Trauer und seine Sorgen?
Natürlich beim
Tanzen und Lachen, beim fröhlich vergnügten Treiben.
Gründertage
Am 05. Februar 1925
beschließen die beiden jungen Ottersdorfer Anton Groß und Anton
Götz, eine Musikkapelle zu gründen.
Mit Paul Lutz aus
Muggensturm, einem Arbeitskollegen von Anton Groß, ist der erste
Schritt nach vorne getan. Lutz wird der erste Dirigent in Ottersdorf.
Dieser erklärt
den beiden jungen Musikern, dass eine Musikkapelle erst mit sechs Mann
spielfähig sei.
Also müssen
noch vier Musikfreunde gesucht werden. Mit Franz Ruf, Otto Frisch, Anton
Jung und Otto Schneider sind die vier Freunde gefunden.
Nun sind sie zwar zusammen, sechs junge Männer und ein Dirigent, doch vom Musizieren noch weit entfernt. Zuerst müssen Musikinstrumente beschafft werden. Auf eine Anfrage im Musikhaus Voigt in Rastatt erhalten die sechs Männer zur Antwort, dass solche Instrumente nicht vorrätig seien und eine Lieferung längere Zeit dauern würde. Paul Lutz verweist die jungen Ottersdorfer nach Karlsruhe ins Musikhaus Deimer. Dort kommen die sechs Freunde in die besten Hände. Durch die Vielzahl an vorrätigen Blechblasinstrumenten ist es nämlich möglich, den jungen Musikern direkt am Objekt zu zeigen, welche Unterschiede es bei den verschiedenen Instrumenten gibt. So wird aus dem erst zögerlich geführten Gespräch mit Herrn Deimer eine lange intensive Unterhaltung. Während des Gespräches erwächst eine Bestellliste auf Abruf. Der vom Musikhaus Deimer erstellte Kostenvoranschlag bringt die ernüchternde Summe von 900 Rentenmark an den Tag. Da keiner der sechs Musiker über eine solche Geldsumme verfügt, musst zunächst die Finanzierung geklärt werden.
Noch auf dem Nachhauseweg
nach Ottersdorf ist Anton Groß, Anton Götz, Franz Ruf, Otto
Frisch, Anton Jung und Otto Schneider klar, dass sie keinen Weg unversucht
lassen würden, um an das Geld zu gelangen.
Einige Tage später werden sie beim Kreditverein von Ottersdorf vorstellig. Dort bringen sie ihr Anliegen vor, einen Kredit aufzunehmen in Höhe von 600 Rentenmark, zur Anschaffung von zwei Flügelhörnern, zwei Tenorhörnern und einem Es-Horn. Die noch offenen 300 Rentenmark benötigen sie erst später, da die bestellte Tuba noch in der Fertigung ist. Die Herren des Kreditvereins lehnen das Ansinnen der jungen Männer ab. Nach dem Gesetz darf keine Person einen Kredit nehmen, die nicht volljährig ist. Im Gegenzug machen die Herren vom Kreditverein den jungen Männern einen Vorschlag. Wenn sie für die gewünschte Summe einen oder mehrere Bürgen benennen könnten, stünde dem Darlehen nichts im Wege.
Wer sonst, als die
eigenen Väter würden wohl so viel Vertrauen in ein so ungewisses
Vorhaben setzen, welches die jungen Musiker da planten?
So übernehmen
Anton Frisch, Franz Ruf, Stefan Groß und Egidius Götz die Bürgschaft
von je 150 Rentenmark. Am 16. März 1925 kommt das Darlehen in Höhe
von 600 Rentenmark bei einem Zinssatz von 18 % zur Auszahlung. Zwei Tage
später, also am 18. März, werden die Musikinstrumente beim Musikhaus
Deimer abgeholt.
In der Zwischenzeit hat man sich Gedanken darüber gemacht, wo die Proben stattfinden sollen. Die Vorstellungen von den Eigenschaften eines Proberaums sind klar gewesen. Der Raum sollte beheizbar sein, damit auch in der kalten Jahreszeit geprobt werden kann. Auch über eine gewisse Größe sollte der Raum verfügen, um gegebenenfalls noch weiteren Musikern Platz zu bieten. Die dritte Anforderung ist die schwierigste: Der Raum soll mietfrei sei, denn die Geldmittel sind knapp. So kommt das Angebot der Familie Karl und Amalie Jung wie ein Geschenk des Himmels über die jungen Männer. Die Familie Jung ist zu dieser Zeit Besitzer und Betreiber des Gasthauses "Zur Linde". Die "Linde" hat hinter dem Schankraum einen beheizbaren Saal,den Karl und Amalie Jung den Musikern mietfrei überlassen. Fortan ist die "Linde" das Probelokal der Musikkapelle.
Diese Übereinkunft sollte fast 70 Jahre Bestand haben und das Bild des Musikvereins mitprägen.
Anton Groß
trifft mit Herrn Paul Lutz die Vereinbarung, dass für jede stattgefundene
Probe ein Entgelt von drei Rentenmark zu zahlen sei. Die
Kosten teilen die
Männer zu gleichen Teilen unter sich auf. Somit kann Ende März
das Proben beginnen.
Am Abend des 16.
April 1925 treten die sechs Musiker im Gasthaus "Linde" zur ersten Musikerversammlung
zusammen.
Es sollte ein 1.
Vorsitzender gewählt werden.
Es ist nicht schwer
den Mann aus der Runde herauszudeuten, der dieses ehrenvolle Amt erhalten
sollte. Einhellig wird Anton Groß das Amt des 1. Vorsitzenden übertragen.
Anton Götz wird der 1. Schriftführer, dem die Aufgabe zugeteilt
wird, ein Protokollbuch anzulegen.
Diese Protokollbücher
sind heute noch im Besitz des Musikvereins.
Ferner beschließt
man, alle drei Monate eine Musikerversammlung abzuhalten.
Es
geht bergauf
Durch die einfühlsame
Art von Herrn Lutz werden die jungen Musiker langsam, aber zielstrebig
an die Blasmusik herangeführt. Nachdem die anfänglichen Schwierigkeiten
überwunden sind, was nicht zuletzt dem Fleiß jedes Einzelnen
zu verdanken ist, gewinnt die Musikkapelle immer mehr an Harmonie.
Im Juli 1925, am
Tag des Skapulierfestes, hat die junge Musikkapelle ihre Feuertaufe.
Von der Empore der
Pfarrkirche St. Ägidius aus umrahmt die Musikkapelle das feierliche
Hochamt. Freudig nimmt die Ottersdorfer Einwohnerschaft das Musizieren
der Musikkapelle an. Wenngleich ein Erstaunen durch das Dorf geht, denn
es sind erst vier Monate vergangen seit den ersten Proben. Erfreulich für
die Musiker ist die erste Gage von 12 Rentenmark. Neben Lob und Anerkennung
beschert der erste Auftritt der Musikkapelle auch zwei neue Musiker.
Karl Seitz und Christian
Uhrig treten Ende Juli der Musikkapelle bei.
Nachdem den beiden
die Aufnahme in die Kapelle sicher ist, fahren sie ins Musikhaus Deimer,
um sich ein Musikinstrument zu kaufen. Die zwei neuen Musiker fügen
sich nahtlos in die Kapelle ein. Aber nicht nur in musikalischer Hinsicht
geht es bergauf, auch finanziell wird es leichter, da nun das Dirigentengehalt
durch acht geteilt wird.
Das Jahr 1925 neigt
sich langsam dem Ende entgegen und die acht Musikfreunde können auf
ein gelungenes und erfolgreiches Gründungsjahr zurückblicken.
Doch nicht immer
endet alles so schön wie es begonnen hat!
Paul Lutz teilt Ende
November den Musikern mit, dass er das Amt des Dirigenten niederlegen werde.
Der Grund ist der weite Weg von Muggensturm nach Ottersdorf. Herr Lutz
ist sich der Verantwortung bewusst, die er im März übernommen
hat, und will deshalb die junge Musikkapelle nicht ohne Dirigenten zurücklassen.
Noch bevor Paul Lutz seinen Rücktritt mitteilt, hat er Kontakt zu
einem eventuellen Nachfolger aufgenommen. So wäre es möglich,
übergangslos den Probebetrieb weiter laufen zu lassen, falls die Musiker
mit dem neuen Dirigenten, Herrn Fischer aus Rastatt, einverstanden wären.
Die Musiker sind zufrieden. Besser hätte man es nicht treffen können.
Herr Fischer ist Berufsmusiker und spielt in Rastatt bei einer Militärkapelle
Trompete. Zähneknirschend nehmen die Männer die Gehaltsforderung
von sechs Rentenmark pro Probe an.
Somit wird Herr
Fischer neuer Dirigent der Musikkapelle von Ottersdorf und nimmt im Dezember
1925 seine Arbeit auf.
Ein Brief aus Wösbach im Januar 1926 versetzt die Musiker in helle Aufregung. In dem Schreiben wird angefragt, ob eine Teilnahme am Wettspielen in Wösbach am 25. Mai möglich wäre. Es müssten bei einer Beteiligung zwei Rentenmark pro Musiker an die Kapelle Wösbach entrichtet werden, zur Deckung der Unkosten. Nach Absprache mit Herrn Fischer sagt man eine Beteiligung zu.
Der 25. Mai 1926
ist der bislang größte Tag der Musikkapelle Ottersdorf. Als
jüngste und kleinste Kapelle des Wettbewerbs erhalten die Musiker
einen 2A- Preis mit Diplom und einen Silberpokal. Die gesamte Einwohnerschaft
von Ottersdorf freut sich mit den acht Musikern. Damit alle Ottersdorfer
dieUrkunde und den Pokal sehen können, werden sie im Schaufenster
des Lebensmittelladens von Karl Fritz (heutiges Anwesen Willi Hartmann)
in der Rheinstraße ausgestellt.
Emil Stupfel, Melchior Frisch und Fritz Burster treten im Juni 1926 der Musikkapelle bei. Die Verstärkung tut der Kapelle gut, denn die Anforderungen wachsen.
Das erste Musikfest
in Ottersdorf am 25. Juli 1926 wird im Lindengarten gefeiert.
Eingeladene Gastkapellen
bringen ihr Können zum Besten und tragen mit zu einem guten Gelingen
bei. Durch ein Eintrittsgeldes von 30 Pfennig pro Person und den Verkauf
von Papilotten (Lose) wird der Festerfolg auch in der Kasse spürbar.
Zu erwähnen sei an dieser Stelle, dass nur Gastronome zu jener Zeit eine Schanklizenz erhielten.Der Gewinn aus dem Verkauf von Speisen und Getränken floss dem Gastwirt zu. Dem Veranstalter blieben nur die Einnahmen aus dem Eintritt und dem Losverkauf.
Nachdem Otto Schneider im November seinen Austritt aus der Musikkapelle erklärt, wird die große Trommel für 115 Rentenmark zurückgekauft. Diese sollte im Besitz der Kapelle bleiben, bis ein neuer Trommler gefunden wird.
Obwohl es ein Rückschlag ist mit Otto Schneider einen Mann der ersten Stunde zu verlieren, wird am 26. Dezember die erste Weihnachtsfeier im Gasthaus "Zur Linde" abgehalten. Die gesamte Einwohnerschaft von Ottersdorf ist eingeladen. Zur Unterhaltung an diesem Abend wird ein Theaterstück aufgeführt. Als Höhepunkt des Abends kommt ein Christbaum zur Verlosung im Wert von 25 Rentenmark.
Im Frühjahr 1927 findet die bis dahin verwaiste große Trommel in Karl Zeitvogel (Vater von Eugen Zeitvogel) einen neuen Besitzer. Karl Zeitvogel erwirbt die Trommel für 100 Rentenmark.
Auf Anregung von
Bürgermeister Moritz Frisch werden die ersten Heimattage in Ottersdorf
gefeiert. Bei diesem Fest soll die Musikkapelle mitwirken. Ebenso ist das
Mitwirken der Musikkapelle beim Stiftungsfest der deutschen Turnerschaft
im Mai 1927 erwünscht.
Die Aussicht auf
zwei große Auftritte in Ottersdorf bringt die Musiker auf den Gedanken
Uniformen anzuschaffen. In Anbetracht der angespannten Finanzlage
der Kredit vom März 1925 ist noch nicht ganz zurückgezahlt
wird von Uniformen abgesehen. Man einigt sich darauf, vorerst nur Mützen
anzuschaffen. Bei der Firma Kulbe in Rastatt bestellt die Musikkapelle
Ottersdorf für jeden Musiker eine dunkelblaue Schirmmütze zum
Stückpreis von 4,90 Rentenmark.
Im Gasthaus "Zum Lamm" in Ottersdorf treffen sich die Musiker im Mai 1928 zu ihrer vierteljährlichen Versammlung. Im Verlauf der Sitzung wird sichtbar, dass die Disziplin bezüglich der Pünktlichkeit beim Probenbesuch sehr zu wünschen übrig lässt. Deswegen wird beschlossen, für Unpünktlichkeit Strafen einzuführen. Danach soll ein Musiker, der dreimal im Vierteljahr zu spät zur Probe kommt und keinen Grund für diese Verspätung hat, 50 Pfennig in die Musikerkasse zahlen. Diese Beschlüsse werden ins Protokollbuch aufgenommen und können heute noch dort nachgelesen werden.
Zur Anwendung kommen sie heute nicht mehr.
Auch Erfreuliches
hat der 1. Vorsitzende Anton Groß zu berichten. Leo Jung ist in die
Musikkapelle eingetreten und würde Tenorhorn spielen. Um die Kapelle
klanglich zu verstärken, sollen ein F-Bass, ein Es-Horn, eine Klarinette
und eine kleine Trommel angeschafft werden.
Im Sommer des gleichen Jahres können nochmals drei Musiker in die Kapelle aufgenommen werden: Egon Burster an der Tuba, Fritz Ruf an der Klarinette und Franz Stupfel mit dem Es-Horn. Somit hat sich die Zahl der Musiker im Laufe von drei Jahren mehr als verdoppelt. Es ist als Zeichen der guten Kameradschaft zu sehen, dass es nur zwei Austritte gibt: Otto Schneider und Melchior Fritz.
Doch schon im Herbst
1928 zeigen sich bei der Musikerversammlung dunkle Wolken am Musikerhimmel.
Misstöne über
die Art der Führung des Dirigenten Herrn Fischer kommen zur Sprache.
Es zeichnet sich
ab, dass die Tage des Dirigenten in Ottersdorf gezählt sind.
Die im März 1929 stattfindende Musikerversammlung bringt einige Veränderungen und man nimmt die Strukturen heutiger Vereine an.
Anton Götz,
bisher Schriftführer und Kassierer, gibt bekannt, dass er die Kassenführung
abgeben wolle. Otto Frisch, auch ein Mann der ersten Stunde, übernimmt
den Posten des Kassierers. Die Vorstandschaft setzte sich nun aus Anton
Groß (1. Vorsitzender), Anton Götz (Schriftführer) und
Otto Frisch (Kassenwart) zusammen. Nach dieser erfreulichen Wendung in
der Kapelle lenkt Anton Groß zu einem sehr unerfreulichen Thema über.
Die Kritik an Herrn Fischer von Seiten der Musiker will nicht verstummen.
Es wird beschlossen, den Vertrag mit dem Dirigenten zu lösen.
Doch was nun folgt,
ist schon sehr verwunderlich. An Stelle von Herr Fischer tritt Herr Fischer.
Der Vater übernimmt das Amt von seinem Sohn. Herr Fischer wohnt in
Ottersdorf und nimmt am 1. Mai 1929 seine Arbeit auf. Im gleichen Monat
absolviert der neue Dirigent, Herr Fischer sen., mit der Kapelle seinen
ersten Auftritt beim Platzkonzert in Durmersheim.
Zum ersten Konzert
lädt die Musikkapelle am 06. Oktober 1929 die Einwohnerschaft von
Ottersdorf ins Gasthaus "Zur Linde". Eindrucksvoll stellen die Musiker,
unter der Leitung von Herrn Fischer, ihr Können unter Beweis. Mit
diesem Erfolg im Rücken geht das Jahr 1929 zu Ende.
Weit über die Dorfgrenzen hinaus wird das Können der Ottersdorfer Musikkapelle bekannt, was zur Folge hat, dass von überall her Einladungen eingehen. Eine solche Einladung führt die Musiker im Mai 1930 nach Ebersteinburg.
Durch Heirat verliert die Musikkapelle 1930 zwei tragende Säulen. Im August verlässt Karl Seitz, der langjährige Bassist, die Kapelle. Ebenso verlässt der 1. Vorsitzende Anton Groß im September Ottersdorf und damit die Musikkapelle.
Am 23. September treffen sich die Musiker zu einer außerordentlichen Generalversammlung bei der es zwei Tagesordnungspunkte gibt: Neuwahlen und die Neubesetzung der Bassistenstelle. Die Neuwahlen bringen folgendes Ergebnis:
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Bei der Bassistenstelle
ergibt sich auch eine Lösung. Wilhelm Jung übernimmt den B-Bass
und Egidius Jung den F-Bass. Als Übergang, bis beide Neuen in der
Kapelle mitspielen können, kommt Franz Vorreiter aus Wintersdorf
zur Aushilfe. Die Neubesetzung des B-Basses ist in zweierlei Hinsicht begrüßenswert:
Erstens wird ein
frischer Musiker gewonnen, zweitens fließen 110 Rentenmark in die
Kasse zurück. Zu diesem Preis ist im August das Instrument von Karl
Seitz gekauft worden.
Schwere
Zeiten
Spürbar liegen
die dunklen Schatten der Weltwirtschaftskrise über Ottersdorf. Davon
ist auch die Musikkapelle nicht verschont.
Anfang des
Jahres 1931 ist allen Musikern klar, dass die um sich greifende Geldnot
so schnell nicht enden würde. Um die sowieso knappe Kasse zu schonen,
werden die Musikproben reduziert: von vier im Monat auf zwei. Damit spart
die Kapelle die Hälfte des Dirigentengehaltes. In den folgenden Jahren
spitzt sich die finanzielle Lage der Musikkapelle immer mehr zu. Nur mäßig
besuchte Sommerfeste haben zur Folge, dass auf die Weihnachtsfeier ganz
verzichtet wird. Ebenfalls auf Besuche bei auswärtigen Kapellen, da
die Musiker privat sparen müssen.
Nach nahezu fünf
Jahren Dämmerzustand erwacht die Musikkapelle im Jahr 1935 wieder
zu neuem Leben. Mit neuer Kraft und altem Glanz wird das 10jährige
Stiftungsfest gefeiert. Um 6 Uhr in der Frühe des 23. Juli 1935 zieht
die Musikkapelle mit klingendem Spiel durch die Straßen von Ottersdorf.
An den Ortseingängen aufgebaute Triumphbögen begrüßen die Gäste von außerhalb. Gegen 14 Uhr beginnt der Festzug durch die mit Fahnen geschmückten Straßen von Ottersdorf. Angeführt wird der bunte Zug von den Festreitern Josef Schuler, Anton Ruf und Valentin Stupfel. Ihnen folgen die örtlichen Vereine sowie die Gastkapellen. Am Lindengarten, wo auch die große Festbühne aufgebaut ist. endet der Festzug. Von dort aus verkünden die vier Festdamen Elisabeth Jung, Gertrud Lott, Hildegard Dürrmaier und Elsa Müller ihren Prolog. Nach der Festrede von Anton Götz geht es fröhlich und vergnügt bis in die späte Nacht weiter.
Mit Anton Lott, Leo
Götz, Hermann Lott, Eugen Groß, Alfred Frisch und Emil Ruf bekommt
die Musikkapelle im Frühjahr 1937 Verstärkung. Von diesen jungen
Musikern leben heute noch Anton Lott und Emil Ruf in Ottersdorf. Aus Altersgründen
legt Herr Fischer sen. nach acht Jahren im September 1937 seinen Taktstock
nieder. Ihm folgt im November 1937 Herr Hagenbruch. Über Herrn Hagenbruch
gibt es in den Niederschriften des Musikvereins keine weiteren Angaben.
Im darauffolgenden
Sommer 1938 unternimmt die Musikkapelle Ihren ersten Ausflug mit dem Bus
in den Schwarzwald.
Anton Götz teilt
der Generalversammlung am 04. Februar 1939 mit, dass er das Amt des 1.
Vorsitzenden aus beruflichen Gründen nicht mehr weiterführen
könne.
Die darauf folgenden
Neuwahlen bringen nachstehende Vorstandschaft:
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Im Juni des selben
Jahres wird das Musikfest zum ersten Mal am Dreschmaschinenschuppen (Areal
Otto Müller) abgehalten.
Nur wenige Wochen
nach dem Fest verlässt Herr Hagenbruch die Musikkapelle und Herr Hauptlehrer
Wettemann tritt im Juli 1939 die Stelle als Dirigent an.
Unter der Leitung
von Herrn Wettemann gibt es nur einen öffentlichen Auftritt. Am 03.
September 1939 spielt die Musikkapelle zum Kirchenpatrozinium das letzte
Mal vor Kriegsende in der Öffentlichkeit.
Vier Wochen
nach Ausbruch des 2. Weltkriegs treffen sich die Musiker zu einer
außerordentlichen Sitzung im Gasthaus "Zur Linde". In deren Verlauf
wird beschlossen, den Probebetrieb einzustellen, denn die meisten Musiker
sind oder werden noch zum Militärdienst eingezogen. Weil niemand weiß
wie alles endet, wird das vorhandene Geld aus der Musikerkasse zu gleichen
Teilen an die anwesenden Musiker ausbezahlt.
Die Protokollbücher
und Kassenbücher werden ins Bergungsgebiet nach Künzelsau gebracht.
Im Sommer 1947 wollen
Anton Jung, Karl Zeitvogel, Hermann Lott, Leo Jung und Ludwig Groß
die Musikkapelle wieder aufleben lassen.
Nur der Wille allein
genügt nicht. Nach der Verordnung Nr. 22 vom 12.12.1945 der französischen
Militärverwaltung, ist es nötig, einen schriftlichen Antrag zu
stellen. In diesem Antrag muss der Sinn und Zweck des zu gründenden
Vereines angegeben sein. Zusätzlich muss eine schriftlich abgefasste
Satzung in vierfacher Ausführung einmal in deutsch und dreimal
in französischer Sprache eingereicht werden. Außerdem
muss jeder der fünf Unterzeichner ein politisches Unbedenklichkeitszeugnis
vorlegen.
Am 03. Mai 1948
sind alle Unterlagen beisammen und können bei dem "Gouverment Militaire
en Allemagne Zone France" abgegeben werden.
Im Gasthaus "Zum Grünen Baum" in Ottersdorf wird am 29.05.1948 die Gründungssitzung abgehalten. Die Wahlen der Vorstandschaft erbringen folgendes Ergebnis:
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Es ist mitten im Sommer 1948, als ein Schreiben der französischen Militärverwaltung mit folgendem Inhalt auf dem Rathaus in Ottersdorf eingeht:
"Zufolge der Übersendung der Gründungsunterlagen des Musikvereines Ottersdorf genehmige ich letzteren seine endgültige Tätigkeit auszuüben."
Mit diesem Schreiben werden auch die Genehmigungsurkunde sowie die Satzung übersandt. Der Neuanfang ist geschafft.
Die erste Amtshandlung
des neuen 1. Vorsitzenden ist es, die Versammlung zum Totengedenken zu
ermahnen. Denn Anton Götz, Christian Uhrig, Adolf Stupfel und Emil
Stupfel sind aus dem Krieg nicht heimgekehrt. Gleichfalls fehlen Franz
Ruf und Emil Ruf in der Musikerrunde, denn sie befinden sich noch in russischer
Gefangenschaft.
In Walter Graf,
einem Berufsmusiker aus Rastatt, findet die Kapelle aus Ottersdorf ihren
neuen Dirigenten. Dieser Mann übernimmt das Amt aus Liebe zur Blasmusik
und Freude am Musizieren und führt die Kapelle unentgeltlich. Die
Gemeinde stellt den Musikern ein Klassenzimmer zum Proben zur Verfügung.
Franz Ruf kehrt im
Jahre 1949 aus russischer Gefangenschaft nach Ottersdorf zurück.
Im Oktober des selben
Jahres übergibt Anton Jung das Amt des 1. Vorsitzenden an Franz Ruf.
Mit Franz Ruf an der Spitze des jungen Musikvereines beginnen die Planungen
zum 25jährigen Stiftungsfest. Genau zu diesem Zeitpunkt teilt Walter
Graf mit, dass er aus beruflichen Gründen nicht länger Dirigent
in Ottersdorf sein könne. Im April 1950 übernimmt Alfred Exner
die Direktion. Nachdem ein neuer Dirigent seine Arbeit aufgenommen hat,
tritt der Musikverein im Juni 1950
dem Mittelbadischen
Musikverband bei.
Mit dem 05., 06.
und 07. August sind die Tage des 25jährigen Stiftungsfestes gekommen.
Das große
Fest wird am Samstagabend mit einem Fackelzug durch Ottersdorf eröffnet.
Dieser endet am Gasthaus "Zur Linde", wo im Saal das Festbankett stattfindet.
Mit einem Festgottesdienst geht es am Sonntagmorgen weiter. Der am Nachmittag
folgende Festumzug und das anschließende Freundschaftsspielen der
umliegenden Musikvereine bleibt der Ottersdorfer Einwohnerschaft noch lange
in guter Erinnerung. Fazit des Festes: Es ist rundherum ein voller
Erfolg.
Die Durchführung
des 25jährigen Stiftungsfestes hat gezeigt, dass es notwendig ist,
die aktiven Musiker durch passive Mitglieder zu ergänzen.
Dieses Vorhaben
wird in die Tat umgesetzt.
Am 05. November 1950
wird eine außerordentliche Generalversammlung im Gasthaus "Zur Linde"
einberufen.
Den aktiven Musikern
und den seit September eingetretenen passiven Mitglieder wird die neue
Satzung verlesen.
Aus dieser geht
hervor , dass es nun nicht mehr Musikkapelle Ottersdorf, sondern Musikverein
Ottersdorf heißt.
Gleichzeitig wird
Stefan Knebel als erstes passives Mitglied 1. Vorsitzender des Musikvereines
Ottersdorf.
Aus
den Kinderschuhen herausgewachsen
Schon während
der Festtage im August sind die Musiker mit der Art von Herrn Exner nicht
mehr einverstanden. Durch ein zufälliges Gespräch mit dem Dirigenten
der Stadtkapelle Rastatt, Herrn Ellenbogen, erfährt die Vorstandschaft,
dass dessen Schwiegersohn gerne bereit wäre, eine Blasmusikkapelle
zu dirigieren.
Im Mai 1951 übernimmt
der Schullehrer Hans Weyrauch das Amt von Herrn Exner und wird Dirigent
in Ottersdorf.
Mit dem in Baden-Oos
lebenden Hans Weyrauch an der Spitze der Musikkapelle beginnt eine Ära
in Ottersdorf.
Mit seiner ruhigen
Art schafft er ein Klima in der Kapelle, bei dem musikalische Erfolge wachsen
können.
Ein Jahr ist vergangen
seit Dirigent Weyrauch in Ottersdorf die Musikkapelle leitet, als in Rastatt
ein Verbandsmusikfest mit Wertungsspielen stattfindet. Auch die Ottersdorfer
Musiker nehmen daran teil. Die Note "sehr gut" lässt das Jahr 1952
für den Musikverein zum erfolgreichsten Jahr seit der Neugründung
werden.
Zur Finanzierung
der anfallenden Ausgaben werden Sommerfeste sowie Tanzveranstaltungen oder
Platzkonzerte durchgeführt. Um den Verein auch in finanziellen Dingen
abzusichern, entschließt sich die Verwaltung um Stefan Knebel, den
Eintrag ins Vereinsregister zu erwirken. Dieser Eintrag erfolgt am 25.03.1955.
Somit ist der Musikverein
auch juristisch abgesichert und darf nun den Titel "e.V." tragen.
Betrachtet man die
acht Jahre seit der Neugründung, kann man feststellen, dass der Musikverein
in allen Bereichen zielstrebig nach vorne gegangen ist.
Deshalb soll auch
hier erwähnt sein, dass in diesen 8 Jahren 13 neue und 2 gebrauchte
Musikinstrumente angeschafft werden. Außerdem, um die Noten sauber
und pfleglich aufzubewahren, ein neuer Notenschrank. Alles in allem sind
es Ausgaben in Höhe von 2.812,40 DM.
Dass es mitunter
schon außergewöhnliche Maßnahmen erforderte, um
solche Geldbeträge aufzubringen, können wir anhand des folgenden
Beispieles nachlesen.
Zum Preis von 1.000,--
DM sollte ein neuer B-Bass angeschafft werden. In dieser Höhe sind
jedoch keine Geldmittel vorhanden. So wird am 02.04.1956, ein Ostermontag,
eine Straßensammlung durchgeführt. Die Musikkapelle zieht mit
klingendem Spiel durch die Straßen von Ottersdorf, während di
Vorstandschaft Geld an den Türen sammelt.
Das Ergebnis dieses
Tages übertrifft alle Erwartungen. Es gehen 655,20 DM ein. Nun steht
dem neuen B-Bass nichts mehr im Wege. All diese Anstrengungen werden auch
wieder mit Erfolg belohnt. Im selben Jahr, im Sommer auf dem Verbandsmusikfest
in Bietigheim, erzielt die Musikkapelle mit ihrem Dirigenten Hans Weyrauch
beim Wertungsspielen die Note "Vorzüglich".
Am 03.02.1957 lädt
der Musikverein zur Generalversammlung. Neuwahlen der Vorstandschaft stehen
an.
Stefan Knebel übergibt
sein Amt des 1. Vorsitzenden seinem Stellvertreter Hermann Waschewsky.
Einer, der bis dahin noch nichts mit dem Musikverein zu tun hat, wird 2.
Vorsitzender: Martin Jung. Neu hinzu kommt auch Otto Butz als Kassierer.
Die
Musik soll uns verbinden
Die neu gewählte
Vorstandschaft geht daran, das Erarbeitete zu festigen und zu erhalten.
Ihr besonderes Augenmerk gilt den Finanzen. Deswegen werden die geselligen
Veranstaltungen wie Maskenball, Konzert oder Sommerfest sehr sorgsam geplant
und durchgeführt.
Ende der fünfziger
Jahre begannen sich die Musikkapellen landauf landab
sich einheitlich zu kleiden.
Auch die Vorstandschaft
um Herr Waschewsky denkt über die Anschaffung von Uniformen nach.
Allerdings
stößt dieses Vorhaben bei den aktiven Musikern auf breite Ablehnung.
Das Thema Uniformen wird zum Reizthema denn noch immer verbinden die Männer
das Wort Uniform mit Militär und Krieg, den alle hautnah miterlebt
haben. Lange emotionsgeladene Diskussionen sind vonnöten, um die Zweifel
zu zerstreuen. Zuletzt siegt die Einsicht, sich nicht gegen den Zeitgeist
zu stellen.
Der Ottersdorfer
Schneider Josef Müller, späterer Schwiegervater des 1. Vorsitzenden
Reinhold Philipp , nimmt die benötigten Maße im Gasthaus
"Zur Linde" bei den Musikern ab. Angefertigt werden die Uniformen bei der
Firma Hilbert in Rastatt.
Im Jahre 1960 zeigt
sich die Ottersdorfer Musikkapelle der Öffentlichkeit in ihren
schmucken Uniformen. Das 1927 Angedachte wird nach 33 Jahren Wirklichkeit.
Hermann Waschewsky
legt nach 4 Jahren das Amt des 1. Vorsitzenden in der Generalversammlung
vom 04.03.1961 nieder.
Martin Jung wird
sein Nachfolger. Als Stellvertreter benennt man Willi Bartel.
Ihre traditionelle Maitour führt die Musiker im Jahre 1962 über den Rhein ins benachbarte Elsaß. Als man dort in einem Wirtshausgarten in der Nähe von Selz bei fröhlichem Musizieren zusammensitzt, spricht ein Unbekannter die lustige Runde an. Aus dem Gespräch heraus erfahren die Männer, dass er der Dirigent der Kapelle Selz, Herr Spangenberger, ist. Letztendlich werden unsere Musiker zum Spielen auf das Sommerfest in Selz eingeladen. Damit wird der Grundstein einer jahrzentelangen Freundschaft gelegt.
Unter dem Motto "Ottersdorf
singt und musiziert" veranstaltet der Musikverein zusammen mit dem Gesangverein
unter Mitwirkung eines Kinderchores und den Frauenstimmen des Kirchenchores
am 18.05.1962 in der
Unter dem Motto "Ottersdorf
singt und musiziert" veranstaltet der Musikverein zusammen mit dem Gesangverein
unter Mitwirkung eines Kinderchores und den Frauenstimmen des Kirchenchores
am 18.05.1962 in der Festhalle einen Konzert- und Liederabend. Kapellmeister
Hans Weyrauch und Chorleiter Wolfgang Mauderer ernten zusammen mit den
aktiv Mitwirkenden reichen und verdienten Beifall.
Im Jahr 1965 feiert
der Musikverein sein 40-jähriges Bestehen.
Vom 19. 21.
Juni werden die Feierlichkeiten unter großem Zuspruch der Ottersdorfer
Bevölkerung abgehalten.
Ein Glanzlicht bei
den Feierlichkeiten am Festgottesdienst in der Pfarrkirche ist die Aufführung
der Deutschen Messe von Franz Schubert.
Mit 31 aktiven Musikern
unter der Stabführung von Hans Weyrauch beteiligt sich der Musikverein
am Verbandsmusikfest in Ottenau am 04. Juli 1965.
Beim Wertungsspielen
und Wertungsmarschieren erhält der Musikverein gute bis sehr gute
Kritiken.
Bei der Weihnachtsfeier
im Dezember 1965 fasst der 1. Vorsitzende Martin Jung in seiner Ansprache
das Jahr so zusammen: "Es war ein gutes und erfolgreiches Jahr und wir
wollen so weiter machen."
Diese Worte muss
sich Hans Weyrauch besonders eingeprägt haben. Mit nicht ermüdender
Tatkraft führt er die Musikkapelle zu immer größeren musikalischen
Leistungen. Das stellt Hans Weyrauch mit seinen Musikern auch bein Verbandsmusikfest
am 06. 08. Juni 1970 ganz deutlich heraus.
Bei dem Großkonzert
im Schlosshof in Rastatt, wo 10 Kapellen zusammen spielten, ist auch der
Ottersdorfer Musikverein dabei.
Mit Otto Wietfeld
stößt ein Ausnahme-Musiker zu dem Musikverein Ottersdorf. Er
wohnt zwar in Meckenbeuren am Bodensee, doch durch seine Heirat mit Ottersdorf
verbunden, findet er immer wieder den Weg zur hiesigen Musik. Ein gemeinsames
Konzert im Jahr 1972 mit der Stadtkapelle Rastatt, eröffnet die Möglichkeit,
das Können von Otto Wietfeld der Allgemeinheit darzubringen.
Bei dem Musikstück
"Zirkus Renz" spielt Otto Wietfeld die Solostimme am Xylophon. Der Applaus
in der vollbesetzten Festhalle in Ottersdorf will nach diesem Höhepunkt
fast kein Ende nehmen. Der gemeinsam von den Musikern der Stadtkapelle
und derer aus Ottersdorf gespielte Marsch "Militär-Escort" beschließt
das Konzert würdig.
Otto Wietfeld ist zu der Zeit Dirigent der Musikkapelle Ettenkirchen am Bodensee. Diese feiert 1973 ihr 90-jähriges Bestehen. Auf Anregung von Herrn Wietfeld wird die Musikkapelle Ottersdorf an den Bodensee eingeladen. Am 28. Juli kann Franz Aman, der 1. Vorsitzende von Ettenkirchen, 52 Ottersdorfer begrüssen.
Aus Altersgründen
verlässt im Spätsommer 1973 nach 22 Jahren Hans Weyrauch, ein
geschätzter und verdienter Dirigent, den Musikverein Ottersdorf.
Die Verwaltung um
Martin Jung verpflichtet noch im Herbst 1973 als Nachfolger Helmut Böcker.
Den Ausschlag zur Einstellung von Herrn Böcker gibt die Empfehlung
von Herrn Ossikus, einem Bassistenausbilder, welcher zu dieser Zeit gerade
in Ottersdorf tätig ist.
Auf die Initiative
von Herrn Böcker erhält der MVO die Gelegenheit, am 23.06.1974
in Freiburg vor dem Münster ein Platzkonzert zu geben. Das Konzert
dauert von 11.00 bis 13.00 Uhr. Am Nachmittag fährt der Bus die Musiker
und alle Mitgereisten ins Glottertal.
Bei Glottertäler
Wein und gutem Essen im Gasthaus zum schwarzen Adler wird die Musikerkameradschaft
gepflegt.
Das Jahr 1975 steht
ganz im Zeichen des 50 jährigen Bestehens des Musikvereines. Da auch
der Gesangverein Ottersdorf im selben Jahr sein 75 jähriges Jubiläum
feiert, wird von den beiden Vorstandschaften um Rudolf Dilger und Martin
Jung beschlossen, dass es ein Doppeljubiläumsfest geben sollte.
Als Termin werden
die Wochenenden vom 13. bis 23.Juni festgelegt. Zwölf Gastkapellen
und 19 befreundete Gesangvereine nehmen an diesem Fest teil.
Beim Jubiläumskonzert
des Musikvereines wird Otto Wietfeld aus Meckenbeuren zum Ehrendirigenten
ernannt.
Nach 16 Jahren als
1. Vorsitzender des Musikvereines tritt Martin Jung auf der außerordentlichen
Generalversammlung am 29. August 1976 von seinem Amt zurück.
Adolf Becker führt
kommissarisch die Amtsgeschäfte bis zur Jahreshauptversammlung am
15.01.1977 weiter.
Bei dieser Hauptversammlung
wird Wolfgang Kilian zum neuen 1. Vorsitzenden gewählt. Adolf Becker
bleibt Stellvertreter. Noch einen Wechsel gibt es in dieser Generalversammlung.
Josef Stüber, seit 26 Jahren Schriftführer, stellt sich nicht
mehr zur Wahl. Werner Herrmann übernimmt seinen Posten.
Mitte des Jahres
1977 klagen die Musiker bei der Vorstandschaft über mangelnde Disziplin
bei den Proben und darüber, dass das musikalische Niveau immer weiter
absinken würde. Aufgrund der Aussagen der Aktiven trennt sich der
Musikverein von Helmut Böcker.
Auf Anraten von
Christian Müller aus Plittersdorf, damaliger Bezirksvorsitzender des
Musikbezirkes Hardt, wird Richard Merz aus Au am Rhein neuer Dirigent in
Ottersdorf.
Richard Merz ist
zu dieser Zeit Bezirksdirigent und kein Unbekannter im Bezirk.
Bereits nach kurzer
Zeit als Dirigent in Ottersdorf regt Herr Merz die Vorstandschaft an, eine
Jugendwerbung durchzuführen. Mit dieser Werbeaktion beginnt eine neue
Zeit der Jugendausbildung und förderung. Von nun an ist auch
der Zugang für Mädchen in den Musikverein offen. Als nächstes
wird die Art der Ausbildung geändert. Sind es bisher die aktiven Musiker
des Vereines und der Dirigent, die die Zöglinge ausbilden, so werden
nun geschulte Lehrer hinzugezogen. So z.B. Herr Prof. Rettig, der über
20 Jahre für die Klarinettenausbildung verantwortlich ist.
Doch trotz aller
Erfolge der Musikkapelle legt Wolfgang Kilian in der Generalversammlung
1978 sein Amt nieder. Ihm folgt Adolf Becker als neuer 1. Vorsitzender,
Heinz Mattes wird sein Stellvertreter. Da Adolf Becker als langjähriger
2. Vorsitzender mit der Führung des Musikvereines vertraut ist, gibt
es auch nach dem Wechsel keinen Stillstand in der Verwaltung. Der gefasste
Gedanke, für die über 25 Jahre alten Uniformen Ersatz anzuschaffen,
wird im Jahre 1979 realisiert.
Im Kurhaus von Baden-Baden
erntet der Musikverein im März 1980 die ersten Früchte seiner
Jugendarbeit.
Alle 15 angemeldeten
Zöglinge des Musikvereines bestehen die Prüfung für das
Jungmusikerleistungsabzeichen. Das Leistungsabzeichen in Bronze wird bei
einer Feierstunde im Kurhaus verliehen.
Damit sieht sich
die Vorstandschaft von Adolf Becker bestätigt, den richtigen Weg der
Jugendförderung eingeschlagen zu haben. Noch viele Male sollte bei
einer solchen Feierstunde der Name des Musikvereins Ottersdorf in Verbindung
mit einem zu ehrenden Jugendlichen erwähnt werden.
Aber nicht nur das
Leistungsabzeichen in Bronze, auch in Silber und Gold werden im Laufe der
Jahre an junge Musiker aus Ottersdorf verliehen. Alle diese jungen Menschen
tragen dazu bei, dem Namen des Musikvereines Ottersdorf einen guten Klang
zu geben.
Bei den Heimattagen
1982 ist es möglich zu zeigen, wie wirkungsvoll eine kluge Jugendarbeit
ist. Eindrucksvoll marschiert die Musikkapelle am historischen Dorfumzug
mit, 47 Musiker aller Altersschichten defilieren an den Zuschauern vorbei.
An der Spitze Richard Merz, der geistige Vater des Ganzen.
Mit dem Stück vom " Guten Kameraden" geleitet die Musikkapelle im Jahre 1985 ihren ehemaligen 1. Vorsitzenden Hermann Waschewsky zur letzten Ruhe.
Nach neun Jahren als 1.Vorsitzender übergibt Adolf Becker im Jahr 1987 sein Amt an Adolf Lott. Dennoch bleibt Adolf Becker der Musik als Ehrenvorsitzender verbunden. Adolf Lott übernimmt als erster aktiver Musiker seit 1950 das Amt des 1. Vorsitzenden. Zum Stellvertreter wird Thomas Wendlin gewählt und Ulrich Mecking rückt auf den Posten des Kassierers. Unter der Vereinsleitung von Adolf Lott werden zwei Schwerpunkte gesetzt: der weitere Ausbau der Jugendarbeit und die Stabilisierung der finanziellen Lage des Vereins.
In der Jahreshauptversammlung
1989 wird die Vorstandschaft von und um Adolf Lott neu zusammengestellt.
Mit dem Rücktritt
von Thomas Wendlin als 2. Vorsitzender und Werner Herrmann vom Posten des
Schriftführers müssen gleich zwei wichtige Stellen neu besetzt
werden.
Die Neuwahlen ergeben:
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Im Frühjahr des Jahres 1990 stirbt das Gründungsmitglied und ehemaliger 1. Vorsitzender sowie langjähriger Vizedirigent, Franz Ruf.
Mit einer der grössten
Erfolge unter der Leitung von Richard Merz ist die Teilnahme am Wertungsspiel
1982 in Ötigheim.
Nach 12 Jahren erfolgreicher
Dirigententätigkeit verlässt Richard Merz den Musikverein Ottersdorf.
Markus Mauderer tritt
im Herbst 1990 seine Nachfolge an. Damit wird erstmalig in der Vereinsgeschichte
ein Musiker aus den eigenen Reihen Dirigent. Markus Mauderer ist mit 21
Jahren der jüngste Dirigent im Blasmusikverband Mittelbaden.
Im Frühjahr 1991 erlebt die Musikkapelle unter der neuen Leitung ihre Feuertaufe beim Frühlingskonzert in der Festhalle. Im Rahmen der Veranstaltung wird Ludwig Groß für 50 Jahre aktives Musizieren mit der goldenen Verbandsehrennadel ausgezeichnet. Es ist das erste Mal, dass eine solche Ehrung in Ottersdorf vorgenommen wird.
Im Sommer 1992 lädt der Musikverein zum ersten Heckenfest unter den Platanen - das erste Fest in Ottersdorf, das an einem Donnerstagabend unter freiem Himmel abgehalten wird. Trotz großer Skepsis wird das Fest ein großer Erfolg und erfreut sich heute noch großer Beliebtheit.
Rainer Ernst, der zweite Musiker aus Ottersdorf, der den Dirigentenlehrgang mit Erfolg absolviert, ruft unter Zustimmung der Vorstandschaft die erste Jugendkapelle von Ottersdorf ins Leben. Noch im selben Jahr 1994 hat die Jugendkapelle ihren ersten Auftritt bei der Jahresversammlung der Volksbank Rastatt in Ottersdorf.
Bei der 1000-Jahr-Feier von Ottersdorf 1994 ist nicht nur die Musikkapelle im Einsatz. Mitglieder der Vorstandschaft sind in verschiedenen Ausschüssen zur Vorbereitung der Feierlichkeiten engagiert. Mit einem Umzugswagen und der Gestaltung eines Programmpunktes am "Bunten Abend" beteiligt sich der Musikverein ebenfalls an den Feierlichkeiten. Nicht zu vergessen sind auch die Helfer hinter den Theken, die aus den Reihen des Musikvereines kommen.
Durch den Wechsel
der Pächter im Gasthaus "Linde" und den vorgenommenen baulichen Veränderungen
wird das Proben unmöglich. Damit geht im Jahr 1994 eine lange Tradition
zu Ende. Zugleich steht der Musikverein vor der Frage, wie es nun weitergehen
soll.
Weil man schon übergangsmäßig
im katholischen Pfarrgemeindehaus geprobt hat, fragt die Vorstandschaft
bei Herrn Pfarrer Storff an, ob aus der Übergangslösung nicht
ein Dauerzustand werden könnte. So wird im Jahr 1995 das katholische
Pfarrgemeindehaus das neue Probelokal des Musikvereines.
Die Jahreshauptversammlung 1995 ist die erste im neuen Probesaal und zugleich die letzte für Adolf Lott als 1. Vorsitzender. Er legt sein Amt nach 8 Jahren nieder. Zum neuen 1. Vorsitzenden wird Reinhold Philipp gewählt, zu seinem Stellvertreter Jochen Jung.
Im Jahre 1996 muss der Tod des ehemaligen 1. Vorsitzenden und Ehrenvorsitzenden Adolf Becker beklagt werden.
In der Zeit, seit Reinhold Philipp den Verein führt, wird eine Blockflötengruppe aufgebaut. Gleichfalls kann eine Zöglingskapelle im Musikverein integriert werden, die unter der Leitung von Rainer Ernst steht. Zum ersten Mal wird 1998 mit Silke Groß eine Frau Vizedirigentin in Ottersdorf. Silke Groß ist neben Markus Mauderer und Rainer Ernst die dritte Aktive aus den eigenen Reihen, welche die Dirigentenprüfung abgelegt hat.
Im Jahr 2000 besteht die Musikkapelle aus 37 aktiven Musikern, 42 Zöglinge befinden sich in Ausbildung.
Der Musikverein hat im Jubeljahr 2000 insgesamt über 300 Mitglieder.
Mit Anton Lott und Emil Ruf leben heute noch zwei Musiker, die in den 30er Jahren zur Musik gekommen sind.